Erneuerbare Energien tragen heute erst mit einem Anteil von rund neun Prozent zur Wärmeversorgung bei. Hier schlummert also ein großes Potenzial für Klimaschutz und Ressourcenunabhängigkeit. Im Rahmen einer Gesamtprognose für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2020 hat die Branche auch den Wärmesektor untersucht und die wesentlichen Stellschrauben identifiziert, um das Potenzial in diesem Bereich schnell zu erschließen. Werden die richtigen politischen Rahmenbedingungen gesetzt und so die Modernisierung des Heizungsbestandes beschleunigt sowie gleichzeitig die Energieeffizienz zügig erhöht, decken Erneuerbare Energien 2020 bereits 25 Prozent der Wärmeversorgung in Deutschland. Sie liefern dann rund 221 TWh Wärme. Hinzu kommt der im Wärmesektor verwendete Strom aus Erneuerbaren Energien (67 TWh).
Zu diesem Wachstum können alle Sparten regenerativer Wärmeerzeugung erheblich beitragen. Im Jahre 2020 wird Bioenergie immer noch den größten Teil der gesamten Wärmebereitstellung aus Erneuerbaren Energien ausmachen. Der Beitrag von Solarenergie, Geothermie und Wärmepumpen wächst aber in den kommenden zehn Jahren sehr stark an. Die aus Erneuerbaren Energien stammende Strommenge im Wärmesektor steigt um das 2,5-fache aufgrund des sehr schnell wachsenden Anteils Erneuerbarer Energien an der gesamten Stromproduktion.
Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Raumwärme- und Warmwasserverbrauch steigt bis 2020 sogar auf etwa 32 Prozent. Davon werden aus Bioenergie 18 Prozent, aus Solarenergie 4,5 Prozent sowie mit Geothermie und Wärmepumpen 5,7 Prozent bereitgestellt. Weitere 3,5 Prozent des Raumwärme- und Warmwasserverbrauchs deckt dann Strom aus Erneuerbaren Energien ab.
Insgesamt werden die Erneuerbaren Energien im Wärmesektor mit einer CO
2-Vermeidung in Höhe von etwa 57 Millionen Tonnen im Jahr 2020 einen erheblichen Umweltnutzen von rund 4 Milliarden Euro erwirtschaften. Außerdem reduziert sich dabei die Rechnung der deutschen Volkswirtschaft für Energieimporte um 16 Milliarden Euro. Dieses Geld steht stattdessen für vorwiegend heimische Wertschöpfung, den weiteren Ausbau einer regenerativen Heizungsindustrie sowie für Aufträge an das heimische Handwerk zur Verfügung.
Zu den wichtigsten Eckpunkten für ein zukunftsfahige Energiepolitik gehören im Wärmesektor folgende Punkte:
- energetische Qualitätsstandards definieren, die für den gesamten Gebäudesektor greifen, um die Modernisierungsquote von heute 3 auf mindestens 6 Prozent jährlich zu erhöhen
- das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz weiterentwickeln, damit auch im Gebäudebestand ein Mindestanteil Erneuerbarer Energien verbindlich wird
- das derzeitige Marktanreizprogramm für den Wärmebereich zu einem haushaltsunabhängigen, bedarfsgerechten und weiterhin technologiedifferenzierten Förderinstrument fortentwickeln
- das Nutzer-Investor-Dilemma aufgelösen, um auch den Mietwohnungsbereich für die Nutzung Erneuerbarer Energien zu erschließen
- Wärmenetze und Wärmespeicher ausbauen, um eine optimale Integration der Erneuerbaren Energien in das Gesamtenergieversorgungssystem zu erleichtern
Unter den derzeit bestehenden Rahmenbedingungen erscheint es dagegen zunehmend fraglich, ob selbst das Ziel der Bundesregierung erreichbar ist, die bis 2020 lediglich einen Anteil von 14 Prozent Erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch anstrebt.
Grafiken zur Branchenprognose "Wärmeversorgung 2020"